Phthalate in Kosmetik auf einen Blick
Phthalate sind Weichmacher, die eigentlich aus der Kunststoffindustrie stammen. In Kosmetik wurden sie lange in Nagellack, Haarspray und Parfum eingesetzt. Mehrere Phthalate gelten als fortpflanzungsgefährdend und sind in der EU seit 2005 in Kosmetik verboten. Ein Phthalat ist aber weiter erlaubt und sehr verbreitet: Diethylphthalat, kurz DEP, das vor allem Alkohol in Parfums vergällt. Auf der INCI-Liste taucht es oft gar nicht auf.
Deine Haut ist ein Aufnahmeorgan, und Phthalate gehören zu den Stoffen, bei denen ich lieber vorsorge. Hier erfährst du, wo sie stecken und wie du sie meidest.
- Sieben bekannte Phthalate sind in Kosmetik in der EU verboten
- DEP ist erlaubt und steckte in 27 % der untersuchten Duftwässer
- Phthalate können auch aus Verpackungen ins Produkt gelangen
- Zertifizierte Naturkosmetik vergällt Alkohol ohne Phthalate
Was sind Phthalate?
Phthalate sind Ester der Phthalsäure. Sie machen harte Kunststoffe wie PVC weich und biegsam und stecken in Bodenbelägen, Kabeln, Schläuchen und Verpackungen. In Kosmetik hatten sie mehrere Aufgaben: In Nagellack verhindern sie das Abblättern, in Haarspray sorgen sie für flexible Filme, in Parfum halten sie den Duft länger auf der Haut, und als Vergällungsmittel machen sie Alkohol ungenießbar.
Welche Phthalate verboten sind und welche nicht
| Phthalat | Abkürzung | Status in EU-Kosmetik |
|---|---|---|
| Di(2-ethylhexyl)phthalat | DEHP | Verboten |
| Dibutylphthalat | DBP | Verboten |
| Benzylbutylphthalat | BBP | Verboten |
| Bis(2-methoxyethyl)phthalat | DMEP | Verboten |
| Diisobutylphthalat | DIBP | Verboten |
| Dicyclohexylphthalat | DCHP | Verboten |
| Di-n-octylphthalat | DNOP | Verboten |
| Diethylphthalat | DEP | Erlaubt, nicht mengenmäßig beschränkt |
Die verbotenen Phthalate sind als fortpflanzungsgefährdend eingestuft. DEHP etwa kann laut EU das ungeborene Kind im Mutterleib schädigen. Für die meisten Verbraucherprodukte gelten zusätzlich Beschränkungen nach dem Chemikalienrecht REACH. Mehr Details bietet die Übersicht zu EU-Phthalat-Vorschriften.
Was Untersuchungen zeigen
| Untersuchung | Ergebnis |
|---|---|
| LGL Bayern, 71 Eau de Parfum und Eau de Toilette, 2023 und 2024 | DEP in 19 Proben (27 %), von 6 bis über 55.000 mg/kg. Betroffen waren durchweg keine hochpreisigen Produkte. |
| Kantonales Labor Basel-Stadt, Nagellacke aus Billigmärkten, 2007 | 10 von 17 Proben (59 %) beanstandet, vor allem wegen des verbotenen DBP. Ein Teil stammte aus den USA, wo DBP damals erlaubt war. |
| Kantonales Labor Basel-Stadt, Nagellacke, 2008 | In keiner der 26 Proben Phthalate nachweisbar |
Die Zahlen zeigen zweierlei: Die Verbote wirken, verbotene Phthalate tauchen in EU-Produkten heute nur noch selten auf. Das erlaubte DEP dagegen ist in Duftwässern weit verbreitet, vor allem in günstigen.
Wie gefährlich ist DEP?
DEP ist nicht als fortpflanzungsgefährdend eingestuft und deshalb erlaubt. Es steht aber wie andere Phthalate im Verdacht, das Hormonsystem zu beeinflussen, und wird vom Körper aufgenommen: über die Haut und, bei Parfum, über die Atemluft. Abschließend geklärt ist das Risiko nicht. Weil Phthalate zudem aus vielen Quellen stammen, aus Lebensmittelverpackungen, Bodenbelägen und Hausstaub, plädiere ich dafür, vermeidbare Quellen zu reduzieren. Kosmetik ist eine davon.
Hinweis:
Phthalate stehen oft nicht auf der INCI-Liste. Als Bestandteil von „Parfum“ oder als Vergällungsmittel in „Alcohol Denat.“ müssen sie nicht einzeln genannt werden, und Verunreinigungen aus Schläuchen oder Verpackungen ohnehin nicht.
So vermeidest du Phthalate
- Parfum sparsam und bewusst wählen. Duftwässer sind die Hauptquelle für DEP. Naturparfums mit ätherischen Ölen und nicht vergälltem oder natürlich vergälltem Alkohol sind eine Alternative.
- Auf „Alcohol Denat.“ achten. In konventionellen Produkten ist DEP ein häufiges Vergällungsmittel. Mehr dazu im Beitrag über Alkohol in Kosmetik.
- Nagellack aus der EU kaufen. Hier gelten die Verbote, viele Marken werben zusätzlich mit „frei von“-Listen.
- Zertifizierte Naturkosmetik nutzen. NATRUE und COSMOS schließen Phthalate aus, Alkohol wird natürlich vergällt.
- Glas statt Weichplastik. Weichmacher können aus Kunststoffverpackungen in ölige Produkte übergehen.
Wie du Naturkosmetik grundsätzlich erkennst, erkläre ich im Ratgeber Naturkosmetik erkennen. Weitere Stoffe mit Verdacht auf hormonelle Wirkung findest du in den Beiträgen zu Parabenen und Triclosan, und zu Duftstoffen allgemein im Beitrag über Duftstoffe in Kosmetik.
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Häufig gestellte Fragen zu Phthalaten in Kosmetik
Sind Phthalate in Kosmetik verboten?
Mehrere Phthalate wie DEHP und DBP sind in der EU verboten. Diethylphthalat (DEP) ist weiterhin erlaubt.
Wo stecken Phthalate in Kosmetik?
Vor allem in Parfum und Eau de Toilette als DEP, früher auch in Nagellack und Haarspray. Außerdem können sie aus Verpackungen ins Produkt gelangen.
Warum stehen Phthalate nicht auf der INCI-Liste?
Als Teil von „Parfum“, als Vergällungsmittel im Alkohol oder als Verunreinigung müssen sie nicht einzeln genannt werden.
Ist DEP schädlich?
DEP ist nicht als fortpflanzungsgefährdend eingestuft. Ein Einfluss auf das Hormonsystem wird diskutiert, ist aber nicht abschließend geklärt.
Enthält Naturkosmetik Phthalate?
Zertifizierte Naturkosmetik verzichtet auf Phthalate und vergällt Alkohol mit natürlichen Stoffen.
Fazit: Verboten wirkt, DEP bleibt
Die gefährlichsten Phthalate sind aus EU-Kosmetik verschwunden. Das erlaubte DEP steckt aber weiter in vielen Duftwässern, meist unsichtbar. Wer vorsorgen möchte, setzt bei Parfum auf natürliche Alternativen, achtet bei „Alcohol Denat.“ genauer hin und greift zu zertifizierter Naturkosmetik.
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Quellen: LGL Bayern, Phthalate in Parfümwässern, Kantonales Laboratorium Basel-Stadt, Nagellacke 2007, Measurlabs, Phthalate nach EU-Vorschriften, NATRUE
Beitragsbild: KI-generierte Illustration.


