Woran du echte Naturkosmetik erkennst
Echte Naturkosmetik erkennst du an zwei Dingen: an einem unabhängigen Siegel wie NATRUE oder COSMOS und an der INCI-Liste auf der Rückseite. Grüne Verpackung, Blätter auf dem Etikett oder der Satz „mit natürlichen Inhaltsstoffen“ sagen dagegen fast nichts aus, denn der Begriff Naturkosmetik ist in Deutschland gesetzlich nicht geschützt.
Mir bricht es jedes Mal das Herz, wenn Menschen alles für ein schönes Hautgefühl tun und sich am Ende selbst die Schuld geben, weil nichts hilft. Oft liegt es nicht an ihnen, sondern an Produkten, die mehr versprechen, als sie halten. Deine Haut ist nicht nur ein Schutz-, sondern auch ein Aufnahmeorgan. Deshalb ist mir in unserem Naturkosmetikstudio in München-Maxvorstadt so wichtig, was auf sie kommt. Hier zeige ich dir, wie du in einer Minute prüfst, was wirklich in deinem Produkt steckt.
- „Naturkosmetik“ ist kein geschützter Begriff, jeder Hersteller darf ihn verwenden
- Verlässlich sind die Siegel NATRUE und COSMOS
- Silikone, Paraffine und PEG haben in zertifizierter Naturkosmetik nichts verloren
- Seit 27. September 2026 sind unbelegte Umweltversprechen in der EU verboten
Was ist Naturkosmetik eigentlich?
Naturkosmetik besteht aus Rohstoffen natürlichen Ursprungs: Pflanzenöle wie Jojoba- oder Olivenöl, Sheabutter, Kräuter- und Blütenextrakte, Mineralien wie Heilerde und auch tierische Stoffe wie Bienenwachs oder Lanolin. Diese Rohstoffe dürfen nur schonend verarbeitet werden. Synthetische Duft- und Farbstoffe, Silikone, Paraffine aus Erdöl und PEG-Verbindungen sind ausgeschlossen. Selbst der Alkohol in einem Naturkosmetik-Deo entsteht durch Fermentation aus Pflanzen.
Davon zu unterscheiden ist die sogenannte naturnahe Kosmetik. Sie enthält oft einen natürlichen Grundstoff, daneben aber auch synthetische Zutaten. Ein Beispiel: Steht „mit Bio-Olivenöl“ auf der Tube, kann das Olivenöl tatsächlich bio sein. Das heißt aber noch lange nicht, dass das ganze Produkt Naturkosmetik ist.
Ist der Begriff Naturkosmetik geschützt?
Nein. Weder in Deutschland noch in der EU gibt es eine gesetzliche Definition für Naturkosmetik, Biokosmetik oder Pflanzenkosmetik. Ein Hersteller darf also eine Creme „natürlich“ nennen, obwohl sie umstrittene oder umweltbelastende Stoffe enthält.
Besonders beliebt ist die Angabe „98 % Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs“. Klingt überzeugend, ist aber oft eine Rechnung mit Wasser. Nach der internationalen Norm ISO 16128 zählt Wasser als natürlicher Inhaltsstoff, und viele Cremes und Lotionen bestehen zum größten Teil aus Wasser. Eine solche Prozentzahl ist kein Siegel und sagt nichts darüber, was im Rest steckt.
Genauso irreführend sind „frei von“-Hinweise. Wenn groß „ohne Parabene“ auf der Packung steht, lenkt das manchmal nur davon ab, dass andere problematische Stoffe enthalten sind, für die es keinen Hinweis gibt.
Was sich seit dem 27. September 2026 ändert
Mit der EU-Richtlinie 2024/825 (kurz EmpCo), in Deutschland umgesetzt über das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, gelten strengere Regeln für Umweltaussagen. Allgemeine Versprechen wie „umweltfreundlich“, „grün“ oder „ökologisch“ sind nur noch erlaubt, wenn sie belegt sind. Nachhaltigkeitssiegel dürfen nur noch verwendet werden, wenn sie von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle geprüft oder staatlich vergeben werden. Selbst gebastelte Fantasiesiegel sind damit verboten.
Wichtig: Die Regeln betreffen Umweltaussagen. Das Wort „Naturkosmetik“ selbst bleibt weiterhin ungeschützt. Der Blick auf Siegel und INCI-Liste bleibt also dein bester Schutz.
Die Naturkosmetik-Siegel, denen ich vertraue
Es gibt rund 30 Kosmetiksiegel, aber nur wenige stehen für strenge, unabhängig kontrollierte Kriterien. Diese Namen solltest du kennen:
| Siegel | Bio-Anforderung | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| NATRUE Naturkosmetik | Kein Mindestanteil | Wasser zählt nicht zum Naturanteil |
| NATRUE Biokosmetik | Mind. 95 % der natürlichen und naturnahen Rohstoffe aus Bio-Anbau | Gleiches Logo wie Naturkosmetik, die Stufe steht auf natrue.org |
| COSMOS Natural | Kein Mindestanteil | Schriftzug unter dem Logo von BDIH oder Ecocert |
| COSMOS Organic | Mind. 95 % der pflanzlichen Rohstoffe bio, mind. 20 % des Gesamtprodukts (bei Abwaschbarem 10 %) | Strengste Variante bei COSMOS |
NATRUE
NATRUE ist eine internationale Non-Profit-Organisation, die ihr Siegel seit 2008 vergibt, und im Drogeriemarkt am häufigsten zu sehen. Verboten sind unter anderem Erdölprodukte, Silikonöle und Tierversuche. Seit der Überarbeitung der Kriterien im Jahr 2021 gibt es nur noch zwei Stufen: Naturkosmetik und Biokosmetik.
Ein Detail, das ich schätze: Laut Stiftung Warentest vergibt NATRUE sein Label nur, wenn mindestens 75 Prozent einer Produktlinie die Kriterien erfüllen. Eine Marke kann sich also nicht mit einem einzigen zertifizierten Vorzeigeprodukt schmücken.
COSMOS, BDIH und Ecocert
COSMOS ist der gemeinsame europäische Standard, den unter anderem der deutsche BDIH und die französische Ecocert 2017 ins Leben gerufen haben. Seitdem werden neue Produkte nur noch nach COSMOS zertifiziert. Auf der Packung siehst du weiterhin das Logo von BDIH oder Ecocert, ergänzt um den Schriftzug COSMOS NATURAL oder COSMOS ORGANIC. Das alte BDIH-Logo „Kontrollierte Naturkosmetik“ ohne diesen Zusatz findest du nur noch auf älteren Produkten.
Ebenfalls vertrauenswürdig, aber seltener: Demeter, Naturland und ICADA.
Vegan ist nicht gleich Naturkosmetik
Das V-Label, die Sonnenblume der Vegan Society oder das PETA-Logo sagen dir, dass keine tierischen Stoffe enthalten sind und keine Tierversuche stattfanden. Ob die Rohstoffe natürlich sind, sagen sie nicht. Eine vegane Creme kann voller Silikone sein. Umgekehrt ist Naturkosmetik nicht automatisch vegan, weil Bienenwachs, Honig oder Lanolin erlaubt sind.
So erkennst du Naturkosmetik in 60 Sekunden
- Siegel suchen. Steht NATRUE oder COSMOS auf der Packung, bist du auf der sicheren Seite.
- INCI-Liste umdrehen. Die Inhaltsstoffe stehen nach Menge sortiert. Die ersten fünf machen meist den Großteil des Produkts aus.
- Nach Warnsignalen suchen. Die wichtigsten findest du in der Tabelle unten.
- Werbung ignorieren. Farben, Pflanzenbilder und „frei von“-Hinweise sind Marketing, kein Nachweis.
- Kleine Marken fair prüfen. Eine Zertifizierung kostet Geld, das sich junge Hersteller nicht immer leisten können. Fehlt das Siegel, entscheidet allein die INCI-Liste.
| Begriff auf der INCI-Liste | Was dahintersteckt | In zertifizierter Naturkosmetik? |
|---|---|---|
| Dimethicone, Cyclopentasiloxane (Endung -cone, -xane) | Silikone | Nicht erlaubt |
| Paraffinum Liquidum, Petrolatum, Mineral Oil | Paraffine aus Erdöl | Nicht erlaubt |
| PEG-Verbindungen, Polysorbate | Synthetische Emulgatoren | Nicht erlaubt |
| Acrylates Copolymer, Polyethylene | Synthetische Polymere, oft Mikroplastik | Nicht erlaubt |
| Methylparaben, Propylparaben (Endung -paraben) | Synthetische Konservierer | Nicht erlaubt |
| Parfum, Fragrance | Duftstoff, synthetisch oder natürlich | Nur aus natürlichen Quellen |
| Alcohol, Alcohol Denat. | Ethanol | Erlaubt, wenn pflanzlichen Ursprungs |
Mehr zu den einzelnen Stoffen liest du in den Ratgebern zu Silikonen, Paraffin, Mikroplastik, Parabenen, Duftstoffen, Alkohol, Sulfaten und Phthalaten. Was nachhaltige Kosmetik darüber hinaus ausmacht, erkläre ich im Beitrag über nachhaltige Kosmetik.
Hinweis:
Auch „Alcohol“ ist nicht automatisch schlecht. In Naturkosmetik dient pflanzlicher Alkohol als Konservierung und Lösungsmittel. Bei sehr trockener oder empfindlicher Haut lohnt es sich trotzdem, auf alkoholarme Produkte zu achten.
Ist Naturkosmetik automatisch besser für deine Haut?
Nicht automatisch, und das sage ich auch als überzeugte Naturkosmetikerin. Natürliche Inhaltsstoffe bedeuten nicht, dass jedes Produkt zu jeder Haut passt. Ätherische Öle enthalten Duftstoffe wie Limonene oder Linalool, die empfindliche Haut reizen können. Diese müssen deshalb ab bestimmten Mengen auf der INCI-Liste stehen, auch in Naturkosmetik.
Wie ich auch in meinem Podcast erkläre, wird deine Haut von innen heraus ernährt, in der Lederhaut. Die meisten Kosmetikprodukte schützen und spenden Feuchtigkeit nur in der obersten Schicht der Oberhaut. Ein Produkt allein macht also keine gesunde Haut. Es soll ihr helfen, wieder in Balance zu kommen. Der große Vorteil von Naturkosmetik liegt deshalb woanders: Zertifizierte Naturkosmetik verzichtet auf Stoffe wie Silikone und Paraffine, die die Haut nur oberflächlich glätten, und setzt stattdessen auf pflegende Pflanzenöle und Wirkstoffe. Entscheidend ist, dass die Produkte zu deinem Hauttyp passen.
Bei Seelenwellness arbeiten wir deshalb mit hochwertiger, veganer Naturkosmetik von TEAM DR JOSEPH, Evolve und Shamanic und stimmen jede Gesichtsbehandlung individuell auf deine Haut ab. TEAM DR JOSEPH ist zertifizierte Naturkosmetik, PETA-zertifiziert vegan und als B Corp ausgezeichnet.
Wie viel es bringt, die bisherige Pflege genau unter die Lupe zu nehmen, zeigen die Erfahrungsberichte unserer Kundinnen Julia und Maria.
Hinweis:
Bei Neurodermitis, Allergien oder anhaltenden Hautproblemen ersetzt auch die beste Naturkosmetik keine ärztliche Abklärung.
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Häufig gestellte Fragen zur Naturkosmetik
Ist Naturkosmetik vegan?
Nicht unbedingt. Bienenwachs, Honig, Milch oder Lanolin sind in Naturkosmetik erlaubt. Wenn du vegan lebst, achte zusätzlich auf das V-Label oder die Sonnenblume der Vegan Society.
Ist Naturkosmetik teurer?
Nicht zwingend. Die großen Drogerieketten haben längst eigene zertifizierte Linien zu Alltagspreisen. Professionelle Naturkosmetik mit hoher Wirkstoffkonzentration kostet mehr, dafür brauchst du oft weniger Produkt.
Enthält Naturkosmetik Palmöl?
Das kann vorkommen, denn Palmöl ist ein pflanzlicher Rohstoff. Achte auf Hinweise zu zertifiziert nachhaltigem Palmöl, zum Beispiel nach RSPO. Mehr dazu im Beitrag über Palmöl in Kosmetik.
Wie lange ist Naturkosmetik haltbar?
Weil auf synthetische Konservierer verzichtet wird, oft etwas kürzer. Das Tiegelsymbol mit einer Zahl wie „6M“ zeigt dir, wie viele Monate das Produkt nach dem Öffnen hält.
Woran erkenne ich Naturkosmetik ohne Siegel?
Nur an der INCI-Liste. Findest du dort keinen der Stoffe aus der Tabelle oben, ist das ein gutes Zeichen. Eine Garantie wie bei einem Siegel ist es nicht.
Fazit: Siegel und INCI-Liste schlagen jedes Werbeversprechen
Naturkosmetik erkennen ist leichter, als es im Drogerieregal wirkt. Verlass dich nicht auf Farben, Pflanzenbilder oder Prozentangaben, sondern auf zwei Dinge: ein unabhängiges Siegel wie NATRUE oder COSMOS und einen kurzen Blick auf die INCI-Liste. Die neuen EU-Regeln gegen Greenwashing helfen zusätzlich, ersetzen deinen kritischen Blick aber nicht.
Du willst wissen, welche Pflege zu deiner Haut passt?
Bei jeder Gesichtsbehandlung arbeiten wir mit hochwertiger Naturkosmetik, achtsamer Berührung und viel Zeit. Und wenn du unsicher bist, was zu dir passt, buch einfach „noch unsicher“: Vor Ort gibt es eine kurze Analyse und persönliche Beratung. Einen Überblick über alle Anwendungen findest du auf unserer Seite Behandlungen, und wer jemandem eine Auszeit schenken möchte, findet hier unseren Gutschein.
Quellen: NATRUE-Kriterien, COSMOS-Standard, Stiftung Warentest, Europäisches Verbraucherzentrum Deutschland, Deutscher Bundestag, Drucksache 21/1855
Beitragsbild: KI-generierte Illustration.


