Duftstoffe in Kosmetik: Was hinter „Parfum“ steckt

Inhalte im Überblick

Duftstoffe in Kosmetik auf einen Blick

Fast jedes Kosmetikprodukt duftet, und hinter dem Wort „Parfum“ auf der Packung können Dutzende einzelne Stoffe stecken. Duftstoffe sind nach Nickel die zweithäufigsten Auslöser von Kontaktallergien. Seit dem 31. Juli 2026 müssen Hersteller deshalb über 80 allergene Duftstoffe einzeln aufführen statt bisher 24. Für empfindliche Haut ist das ein echter Fortschritt.

Deine Haut ist nicht nur ein Schutz-, sondern auch ein Aufnahmeorgan. Was du jeden Tag aufträgst, sollte ihr helfen und nicht nur gut riechen. Hier erfährst du, worauf du achten kannst, und warum auch natürliche Düfte nicht automatisch harmlos sind.

Was sind Duftstoffe?

Es gibt rund 3.000 Duftstoffe, von denen einige Hundert in Kosmetik eine Rolle spielen. Sie können synthetisch hergestellt oder natürlichen Ursprungs sein, etwa als ätherisches Öl aus Lavendel, Rose oder Zitrusschalen. Ein fertiger Duft ist meist eine Mischung aus wenigen bis zu 100 Einzelstoffen. Weil Duftrezepturen als Betriebsgeheimnis gelten, durften Hersteller sie lange unter dem Sammelbegriff „Parfum“ oder „Fragrance“ verstecken.

Wie häufig sind Duftstoffallergien?

KennzahlWertQuelle
Anteil der EU-Bevölkerung mit Duftstoffallergie1 bis 9 %EU-Verordnung 2023/1545
Nachgewiesene Kontaktallergie im Patchtest, Bevölkerungsstudie in fünf EU-Ländernrund 2 %Diepgen et al., British Journal of Dermatology
Rang unter den KontaktallergenenPlatz 2 nach NickelDeutscher Allergie- und Asthmabund
Teilnehmer, die Probleme mit parfümierten Produkten angaben18 %Diepgen et al.
Stärkstes Allergen in der DuftstoffmischungEichenmoosDiepgen et al.

Wichtig zu wissen: Eine Kontaktallergie entwickelt sich oft erst nach Jahren wiederholten Kontakts und bleibt dann ein Leben lang bestehen. Sie zeigt sich typischerweise als Rötung, Juckreiz, Bläschen oder Ekzem an der Stelle, an der das Produkt aufgetragen wurde. Deos und Gesichtscremes führen die Liste der Problemprodukte an.

Was die neue EU-Kennzeichnung ändert

Seit 2005 mussten 24 besonders allergene Duftstoffe einzeln auf der Verpackung stehen. Mit der Verordnung (EU) 2023/1545 hat die EU die Liste auf über 80 Stoffe und Stoffgruppen erweitert:

RegelInhalt
Einzeln anzugeben ab0,001 % in Produkten, die auf der Haut bleiben, 0,01 % in Produkten, die abgespült werden
Neue ProdukteMüssen seit 31. Juli 2026 nach den neuen Regeln gekennzeichnet sein
AltbeständeDürfen bis 31. Juli 2028 abverkauft werden
Neu auf der Liste, unter anderemLavendelöl, Ylang-Ylang-Öl, Menthol, Pfefferminzöl, Teebaumöl, Rosenöl, Vanillin

Der Haken: Duftstoffe ohne bekanntes Allergiepotenzial stehen weiterhin unter „Parfum“. Und weil in der Übergangszeit Produkte mit alter und neuer Kennzeichnung nebeneinander im Regal stehen, hilft die Liste Allergikern erst nach und nach. Die Pharmazeutische Zeitung spricht deshalb von mehr Kennzeichnungspflicht bei weniger Übersicht.

Duftstoffallergene auf der INCI-Liste erkennen

INCI-BezeichnungVorkommen
Limonene, LinaloolZitrus, Lavendel, sehr verbreitet
Citral, Geraniol, CitronellolZitrone, Rose, Geranie
Eugenol, IsoeugenolNelke, Zimt
Cinnamal, Cinnamyl AlcoholZimt
Evernia Prunastri (Oakmoss) ExtractEichenmoos, stärkstes Allergen
Hydroxycitronellal, Coumarin, Benzyl SalicylateSynthetische und natürliche Duftnoten
Parfum, Fragrance, AromaSammelbegriff für alle übrigen Duftstoffe

Sind natürliche Düfte besser?

Hier muss ich ehrlich sein, auch wenn ich Naturkosmetik liebe: Ätherische Öle sind keine allergenfreie Zone. Lavendelöl besteht zu einem großen Teil aus Linalool, Zitrusöle aus Limonene. Genau deshalb stehen viele ätherische Öle jetzt selbst auf der EU-Liste. Zertifizierte Naturkosmetik verzichtet zwar auf synthetische Duftstoffe, setzt dafür aber oft ätherische Öle ein.

Der Vorteil natürlicher Düfte liegt woanders: Synthetische Moschusverbindungen bauen sich laut Umweltbundesamt in der Umwelt nur schwer ab und reichern sich in Tieren und Menschen an. Ätherische Öle tun das nicht. Für empfindliche Haut gilt trotzdem: so wenig Duft wie möglich.

Hinweis:

Manche Duftstoffe, etwa aus Eichenmoos oder Zitrusölen, können zusammen mit UV-Licht Hautreaktionen oder Pigmentflecken auslösen. Parfüm deshalb nicht direkt vor dem Sonnenbad auf Gesicht oder Dekolleté sprühen.

Was ich bei empfindlicher Haut beobachte

Empfindliche Haut reagiert auf stark parfümierte Produkte in meiner Erfahrung meist deutlich: mit Rötungen, Reizungen oder einem unangenehmen Spannungsgefühl. Es gibt aber auch Haut, die erst nach einer ganzen Weile reagiert. Oft hält die Haut die Duftstoffe zunächst aus, während die Barriere und der Hydrolipidfilm nach und nach geschwächt werden. Irgendwann kippt das, und dann kommen die Reizungen scheinbar aus dem Nichts. Dass ein Produkt jahrelang gut vertragen wurde, heißt also nicht, dass es der Haut nicht schadet.

Ätherische Öle sind für mich die deutlich bessere Wahl als synthetische Duftstoffe, aber auch sie setze ich vorsichtig ein. Mein wichtigster Tipp ist die Verdünnung: Auf 10 ml Mandelöl nehme ich nur einen bis zwei Tropfen ätherisches Öl. Das entspricht grob einer Konzentration von 0,5 bis 1 Prozent und ist für die Haut deutlich schonender als ein unverdünntes Öl.

So schützt du empfindliche Haut

  1. Parfümfrei bei Gesichtspflege. Die Gesichtshaut ist, wie ich in meinem Podcast erkläre, 24 Stunden am Tag unbedeckt und Umweltreizen besonders ausgesetzt. Hier lohnt sich duftfreie oder sehr duftarme Pflege.
  2. Kurze INCI-Listen bevorzugen. Je weniger Einzelstoffe, desto geringer das Risiko.
  3. Neue Produkte testen. Eine kleine Menge zwei bis drei Tage lang in der Ellenbeuge auftragen.
  4. Bei Verdacht zum Hautarzt. Ein Epikutantest zeigt, auf welche Duftstoffe du reagierst. Mit der neuen Kennzeichnung kannst du sie dann gezielt meiden.

Mehr dazu, wie du die INCI-Liste insgesamt liest und welche Siegel verlässlich sind, findest du im Ratgeber Naturkosmetik erkennen. Auch Alkohol wird oft als Trägerstoff für Düfte eingesetzt.

Duft bei Seelenwellness

Wir arbeiten mit Naturkosmetik von TEAM DR JOSEPH, Evolve und Shamanic. Wenn du weißt, dass du auf bestimmte Duftstoffe reagierst, sag es uns bitte vor der Behandlung, dann stimmen wir die Produkte darauf ab. Das gilt für jede Gesichtsbehandlung ebenso wie für eine Massage.

Passend zum Thema

Häufig gestellte Fragen zu Duftstoffen in Kosmetik

„Parfum“ ist ein Sammelbegriff für alle Duftstoffe, die nicht einzeln angegeben werden müssen. Allergene Duftstoffe müssen seit Juli 2026 ab bestimmten Mengen zusätzlich einzeln genannt werden.

Seit der Verordnung (EU) 2023/1545 über 80 Stoffe und Stoffgruppen, vorher waren es 24.

Nein. Viele ätherische Öle enthalten allergene Bestandteile wie Linalool oder Limonene. Lavendel-, Ylang-Ylang- und Teebaumöl stehen inzwischen selbst auf der EU-Liste.

Nein, eine Kontaktallergie bleibt in der Regel lebenslang bestehen. Man kann aber die auslösenden Stoffe meiden.

Nicht immer. Manche Produkte enthalten ätherische Öle oder Pflanzenextrakte, die duften, ohne als „Parfum“ deklariert zu sein. Ein Blick auf die INCI-Liste hilft.

Fazit: Weniger Duft, weniger Risiko

Duftstoffe machen Kosmetik angenehm, sind aber eine der häufigsten Ursachen für Kontaktallergien. Die neue EU-Kennzeichnung bringt mehr Transparenz, ersetzt aber nicht den eigenen Blick. Für empfindliche Haut, besonders im Gesicht, ist duftarme Pflege die beste Wahl, egal ob die Düfte synthetisch oder natürlich sind.

Pflege, die zu deiner Haut passt

Bei einer Gesichtsbehandlung arbeiten wir mit hochwertiger Naturkosmetik, achtsamer Berührung und viel Zeit. Wenn du unsicher bist, was zu dir passt, buch einfach „noch unsicher“: Vor Ort gibt es eine kurze Analyse und persönliche Beratung. Alle Anwendungen findest du unter Behandlungen.

Jetzt Termin buchen

Du findest Seelenwellness München auf...

Seelenwellness-Newsletter

Bleib mit uns verbunden 💛

Melde dich zu unserem Newsletter an und erhalte exklusive Einblicke, besondere Angebote und wertvolle Tipps rund um Hautpflege, Entspannung und ganzheitliches Wohlbefinden.

Trag dich jetzt ein und verpasse keine Neuigkeiten mehr von Seelenwellness.

Buche jetzt deinen Termin

Nimm dir bewusst eine Pause vom Alltag und erlebe bei Seelenwellness eine Behandlung in ruhiger Atmosphäre.

Weitere Beiträge