Mikroplastik in Kosmetik auf einen Blick
Mikroplastik sind feste Kunststoffteilchen unter 5 Millimetern, die sich in der Natur kaum abbauen. In Kosmetik steckte es lange als Peelingkörnchen, Glitzer oder Bindemittel. Seit 2023 verbietet die EU absichtlich zugesetztes Mikroplastik schrittweise. Flüssige und gelöste Kunststoffe fallen aber nicht darunter, und genau die stecken heute in vielen Cremes, Shampoos und Make-ups.
Deine Haut ist nicht nur ein Schutz-, sondern auch ein Aufnahmeorgan, und alles, was du abwäschst, landet im Wasser. Deshalb gehören Kunststoffe für mich nicht in die Pflege. Hier zeige ich dir, wie du sie auf der Packung findest.
- In der EU gelangen jährlich rund 42.000 Tonnen absichtlich zugesetztes Mikroplastik in die Umwelt
- EU-Verbot in Stufen von 2023 bis 2035
- Flüssige Kunststoffe sind vom Verbot nicht erfasst
- Zertifizierte Naturkosmetik enthält keine synthetischen Polymere
Was genau ist Mikroplastik?
Fachleute unterscheiden zwei Arten. Primäres Mikroplastik wird absichtlich in kleiner Form hergestellt, etwa als Peelingperlen oder Glitzer. Sekundäres Mikroplastik entsteht, wenn größere Kunststoffe zerfallen, zum Beispiel Verpackungen, Fischernetze oder Autoreifen.
Kosmetik ist nicht die größte Quelle für Mikroplastik in der Umwelt. Reifenabrieb und synthetische Kleidung tragen mehr bei. Der Unterschied: Bei Kosmetik ist der Eintrag vollkommen vermeidbar, denn es gibt für jede Funktion natürliche Alternativen.
Wie viel Kunststoff aus Kosmetik in die Umwelt gelangt
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Absichtlich zugesetztes Mikroplastik in der EU pro Jahr | rund 145.000 Tonnen | ECHA |
| Davon gelangen in die Umwelt | rund 42.000 Tonnen | ECHA |
| Durch das EU-Verbot vermiedene Freisetzung in 20 Jahren | rund 500.000 Tonnen | ECHA |
| Festes Mikroplastik aus Kosmetik und Reinigern im deutschen Abwasser pro Jahr | 977 Tonnen | Fraunhofer UMSICHT im Auftrag des NABU |
| Gelöste Polymere aus denselben Produkten pro Jahr | 46.900 Tonnen | Fraunhofer UMSICHT im Auftrag des NABU |
Die letzte Zeile ist die eigentliche Botschaft: Die Menge an flüssigen und gelösten Kunststoffen ist fast 50-mal so groß wie die an festem Mikroplastik. Kläranlagen halten diese Stoffe nur teilweise zurück. Was im Klärschlamm hängen bleibt, gelangt oft als Dünger auf Felder.
Was das EU-Verbot regelt und was nicht
Mit der Verordnung (EU) 2023/2055 hat die EU absichtlich zugesetztes Mikroplastik ab einer Konzentration von 0,01 Prozent beschränkt. Die Fristen für Kosmetik:
| Ab | Verboten in |
|---|---|
| 17. Oktober 2023 | Mikroperlen in Peelings und Reinigungsprodukten, loser Plastikglitzer |
| 17. Oktober 2027 | Abwaschbare Kosmetik wie Shampoo und Duschgel |
| 17. Oktober 2029 | Kosmetik, die auf der Haut bleibt, etwa Cremes und Lotionen |
| 17. Oktober 2035 | Make-up, Lippen- und Nagelprodukte |
Die große Lücke: Das Verbot gilt nur für feste, unlösliche Partikel. Flüssige, gelartige und wasserlösliche Kunststoffe wie viele Acrylate, Polyquaternium oder PEG-Verbindungen bleiben erlaubt. Umweltverbände wie BUND und Greenpeace kritisieren das seit Jahren, weil auch diese Polymere schwer abbaubar sind. Selbst die Europäische Chemikalienagentur räumt ein, dass man an einem INCI-Namen allein oft nicht erkennen kann, ob ein Polymer als Mikroplastik gilt oder nicht.
Wo Kunststoffe in Kosmetik stecken
Eine Untersuchung von Greenpeace mit über 650 Kosmetikprodukten ergab, dass rund drei Viertel der Make-up-Produkte Kunststoffe enthielten. Nur ein Viertel davon war festes Mikroplastik, der Rest flüssige oder gelöste Polymere. Typische Einsatzorte:
| Produkt | Funktion des Kunststoffs |
|---|---|
| Peeling und Waschgel | Schleifkörper, heute meist durch Alternativen ersetzt |
| Shampoo und Spülung | Filmbildner für glattes, kämmbares Haar, etwa Polyquaternium |
| Creme und Serum | Verdicker und Gelbildner, etwa Carbomer oder Acrylates |
| Foundation, Puder, Lidschatten | Füllstoff, Haftung, seidiges Gefühl, etwa Nylon-12 |
| Mascara und Eyeliner | Filmbildner für Halt und Wasserfestigkeit |
| Haarspray und Gel | Fixierung |
Mikroplastik auf der INCI-Liste erkennen
Auf der Packung steht nie „Kunststoff“. Diese Bezeichnungen solltest du kennen:
| INCI-Bezeichnung | Abkürzung | Typische Form |
|---|---|---|
| Polyethylene | PE | Fest, früher in Peelings |
| Polypropylene | PP | Fest |
| Nylon-6, Nylon-12, Polyamide | PA | Fest, häufig in Puder und Make-up |
| Polymethyl Methacrylate | PMMA | Fest, in Make-up |
| Polyethylene Terephthalate | PET | Fest, in Glitzer |
| Acrylates Copolymer, Acrylates Crosspolymer | AC, ACS | Flüssig bis gelartig |
| Polyquaternium-… | PQ | Gelöst, in Haarpflege |
| Polyurethane | PUR | Filmbildend |
Auch Silikone sind synthetische Polymere. Was sie in Kosmetik tun und welche die EU verbietet, liest du in meinem Beitrag über Silikone in Kosmetik. Am sichersten bist du mit zertifizierter Naturkosmetik: NATRUE und COSMOS schließen synthetische Polymere aus. Wie du solche Siegel erkennst, erkläre ich im Ratgeber Naturkosmetik erkennen.
Ist Mikroplastik in Kosmetik schädlich für die Haut?
Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung gelangen die in Kosmetik verwendeten Partikel, die meist größer als ein Mikrometer sind, nicht durch die intakte, gesunde Haut. Eine direkte Gesundheitsgefahr durch eine Creme ist damit nicht belegt. Offen ist die Frage, wie sich die Partikel bei gereizter oder verletzter Haut verhalten. Und über Nahrung, Trinkwasser und Luft nehmen wir Mikroplastik ohnehin auf. Jede vermeidbare Quelle zählt.
Für mich ist entscheidend: Kunststoffe pflegen die Haut nicht. Sie sorgen für Textur, Halt oder ein glattes Gefühl auf der Oberfläche. Wie ich auch in meinem Podcast erkläre, wird die Haut aber von innen heraus ernährt, in der Lederhaut. Ein Film auf der Oberfläche ändert daran nichts.
Hinweis:
Wenn ein Produkt mit „frei von Mikroplastik“ wirbt, heißt das oft nur: frei von festen Partikeln. Flüssige Kunststoffe können trotzdem enthalten sein. Ein Blick auf die INCI-Liste schafft Klarheit.
Was ich im Studio zum Thema Mikroplastik erlebe
Für die meisten meiner Kundinnen ist Mikroplastik ein neues Thema. Viele wissen, dass Peelings früher Plastikkügelchen enthielten, aber kaum jemand rechnet damit, dass Kunststoffe auch in ganz alltäglichen Produkten stecken. Ich kläre deshalb in fast jeder Beratung darüber auf, wie oft synthetische Polymere heute in Kosmetik vorkommen und dass sie mit natürlicher Pflege nichts zu tun haben.
In meinem eigenen Bad stehen keine Produkte mit Kunststoffen. Wenn Kundinnen aber zu Hause ihre INCI-Listen durchgehen, sind sie meist bei drei Produkten überrascht: beim Duschgel, bei der Handseife am Waschbecken und bei der Körperlotion. Genau dort lohnt sich der erste Blick auf die Liste oben.
Natürliche Alternativen zu Mikroplastik
| Funktion | Natürliche Alternative |
|---|---|
| Peeling | Heilerde, Salz, Zucker, gemahlene Kaffeebohnen, Jojobawachsperlen, Reis- oder Bambuspulver |
| Verdicken | Xanthan, Guarkernmehl, Cellulose, Agar |
| Filmbildung im Haar | Pflanzliche Proteine, Aloe Vera, Leinsamenschleim |
| Seidiges Gefühl in Make-up | Maisstärke, Reispuder, Mineralien wie Glimmer |
Bei Seelenwellness arbeiten wir mit Naturkosmetik von TEAM DR JOSEPH, Evolve und Shamanic. TEAM DR JOSEPH ist zertifizierte Naturkosmetik und plastikneutral. Mehr dazu, worauf du bei Verpackung und Herstellung achten kannst, liest du im Beitrag über nachhaltige Kosmetik.
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Häufig gestellte Fragen zu Mikroplastik in Kosmetik
Ist Mikroplastik in Kosmetik jetzt verboten?
Teilweise. Mikroperlen in Peelings sind seit Oktober 2023 verboten. Für Shampoo und Duschgel gilt das Verbot ab Oktober 2027, für Cremes ab Oktober 2029 und für Make-up, Lippen- und Nagelprodukte ab Oktober 2035. Flüssige Kunststoffe sind nicht erfasst.
Woran erkenne ich Mikroplastik ohne Fachwissen?
Achte auf Begriffe mit „Poly“, „Acrylates“ und „Nylon“ auf der INCI-Liste. Am einfachsten ist zertifizierte Naturkosmetik, denn sie enthält keine synthetischen Polymere.
Gelangt Mikroplastik aus Cremes in meinen Körper?
Über die intakte Haut nach heutigem Wissen nicht, weil die Partikel zu groß sind. Was abgewaschen wird, landet aber im Abwasser und damit in der Umwelt.
Ist biologisch abbaubarer Glitzer eine Alternative?
Ja. Biologisch abbaubarer, löslicher, natürlicher oder mineralischer Glitzer gilt nicht als Mikroplastik und darf weiter verkauft werden.
Enthält Naturkosmetik Mikroplastik?
Zertifizierte Naturkosmetik nach NATRUE oder COSMOS enthält kein Mikroplastik und keine synthetischen Polymere. Nur der Begriff „Naturkosmetik“ ohne Siegel ist keine Garantie.
Fazit: Das Verbot ist ein Anfang, kein Freifahrtschein
Das EU-Verbot nimmt festes Mikroplastik bis 2035 aus der Kosmetik. Die viel größere Menge an flüssigen und gelösten Kunststoffen bleibt erlaubt. Wer sichergehen will, liest die INCI-Liste oder greift zu zertifizierter Naturkosmetik. Deine Haut verliert dabei nichts, denn Kunststoffe pflegen nicht.
Du willst Pflege ohne Kunststoffe erleben?
Bei einer Gesichtsbehandlung arbeiten wir mit hochwertiger Naturkosmetik, achtsamer Berührung und viel Zeit. Wenn du unsicher bist, was zu dir passt, buch einfach „noch unsicher“: Vor Ort gibt es eine kurze Analyse und persönliche Beratung. Alle Anwendungen findest du unter Behandlungen.
Quellen: Verordnung (EU) 2023/2055, ECHA, Mikroplastik, ÖKO-TEST zur Fraunhofer-Studie, ÖKO-TEST zur Greenpeace-Untersuchung, BUND, BfR
Beitragsbild: KI-generierte Illustration.


